Imrich Tomáš

*1948 in Dobra/Slowakei
1974-1980 Studium der Malerei an der UDK Berlin bei Horst Hirsig
Imrich Tomáš lebt und arbeitet in Berlin
 

"Malerei war für mich schon immer ... ja das war mein Traum: Maler sein.
Ich bin nur ein Mensch. Deswegen: mich nervt das einfach, Roma, oder eben Zigeuner zu sein, ich weiß überhaupt nicht, was das ist."                             

Imrich Tomáš



Biografie                                                                        

Der in der Slowakei geborene Imrich Tomáš zeigte bereits als Kind ein außergewöhnliches künstlerisches Talent. Seine spezielle Art des künstlerischen Ausdrucks und seine zunächst fremd erscheinende Interpretation der Welt in Gemälden und Skulpturen machte ihn in seinem Herkunftsland über sein Rom-sein hinaus zum Außenseiter. Denn in der sozialistischen Gesellschaft gab es für seine spezielle ästhetische Sichtweise kein Verständnis und damit für die Freiheit seines künstlerischen Schaffens keinerlei Perspektive und keine Möglichkeit, Leben und Kunst zu einem befriedigenden Ganzen zu vereinen. Also stellte der damals 21-jährige 1969 einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik Deutschland. In der pulsierenden Enklave Berlin bestritt er seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter und finanzierte so den Malunterricht, der ihn auf die Aufnahme an der Kunsthochschule vorbereiten sollte. In diversen Kreuzberger Kneipen traf er auf die sich im Aufbruch befindliche, junge Berliner Kunstszene. Sie vermittelte ihm einen neuen, freieren Zugang zu Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte - speziell der der Malerei und den insprierenden Kontakt zu Künstlern aus aller Welt. Im Jahr 1974 trug die harte Vorarbeit Früchte: er bewarb sich mit Erfolg an der Hochschule der Künste in Berlin. 1980 schloss er sein Studium im Fachbereich „Bildende Künste“ mit Meisterschüler-Auszeichnung ab. Sein Professor war Horst Hirsig, ebenfalls einem Vertreter der abstrakten, nicht gegenständlichen Malerei.

Tomáš arbeitet bevorzugt mit Materialien wie Hanffasern, Pigment und Kunstharzen zur Schaffung vielfältiger, geradezu rhythmischer erscheinender Formen. Seine Kunst ist von großer Klarheit und zunächst beinahe kalt anmutender Abstraktion, seine Objekte wirken zunächst fremd, gradezu alienhaft. Seine Kunst scheint die Räumlichkeit der Dinge zu hinterfragen, indem sie die räumliche Dimension der Leinwand sprengt; sie wuchert und wächst über die Grenzen den Bildes hinaus. Die von unsichtbarer Hand gesteckten Grenzen akzeptieren seine Werke ganz offensichtlich nicht; statt dessen sehen sie sie als eine Aufforderung zur selbstverständlichen Überwindung: Jedes einzelne Kunstwerk verströmt einen kompromisslosen Freiheitsdrang. Es ist die Tiefe und Fülle einer Kunst, die der Welt immer um einen Schritt voraus ist. Die von ihm geschaffenen Rasterformen wirken wie Stege in eine andere Welt, wie die Oberflächen fremder Planeten, die einer Stanislaw-Lem-Phantasie entsprungen sein könnten. Seine Werke scheinen wie lebende Entitäten mit einem eigenen, für uns nicht interpretierbaren Bewusstsein. Imrichs Werke vollbringen das Kunstwerk, zu schweben und zugleich eine große, vielleicht auch etwas beängstigend wirkende Tiefe zu erzeugen: Manchmal schient es, als öffne sich ein Raum hinter dem Bild, dessen Dimensionen und Inhalte der Phantasie des Betrachters überlassen sind. Imrich produziert sozusagen Leerstellen, in seinem Bildern klafft etwas, was der Betrachter nicht wirklich begreifen kann, und ihn so animiert, in die Bilder einzutauchen, freie Assoziationen zuzulassen und herkömmliche Sehgewohnheiten und die Erwartungen daran, was Kunst für den Betrachter zu „leisten“ hat, zu revidieren.

Tomáš Werke täuschen also vor, etwas anderes zu sein, als sie sind; zarte Gespinste aus Flachs und Hanf entpuppen sich bei näherem Hinsehen als überraschend stabil, für unnachgiebig gehaltene Lackflächen in satten Farben erweisen sich in der jedem Objekt eigenen Formen-Landschaft als elegante, ja leichte Komponenten. Farb- und Materialschichten bauen rhythmisch aufeinander auf und werden zum kraftvollen Gesamtereignis aus Strukturen, Farben, Materialien, Transparenz und Tiefe. Nichts davon hat der Künstler dem Zufall überlassen, sein inneres Auge reist der technischen Umsetzung stets voraus. Die Kompositionen aus Hanf, Kunstharz, Lack, Schnur, Papier und Luft verschmelzen zu den oben versuchsweise beschriebenen, neuen Welten und bilden unbekannt-magische Dimensionen.

Somit ist diese vollkommen unpolitische, nicht in einer Zeit verortete Kunst in einem nicht sofort evidenten, höheren, abstrakteren Sinne äußerst politisch, weil sie unsere Perspektiven in Frage stellt: Sie stellt dem Betrachter leise, fast unmerklich die Frage, ob denn alles immer so ist wie es erscheint und ob man nicht manches neu bewerten sollte. Seine Werke sind Schritte in eine Welt, in der die Diskriminierung seiner Minderheit oder ideologische und politische Unterdrückung wie ausgelöscht ist. Tomáš lädt uns ein, seinem Drumo, seinem Weg in die Freiheit zu folgen.

Sophie Nikolitsch

Einzelausstellungen (Auswahl)

2016
Dinggestalt, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland

2012
Fernweh. Fragmente, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland

2009
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, Deutschland

2004
Slowakisches Institut, Kulturzentrum, Berlin, Deutschland

2001
Galerie Bischoff, Berlin, Deutschland

1999
Künstlermesse Zürich, Schweiz

1998
Galerie Fahrenhorst, Hameln, Deutschland

1997
Art Frankfurt, Galerie Waszkowiak), Frankfurt, Deutschland

1995   
Pothast + Lister, Berlin, Deutschland

1992-1997
Galerie Waszkowiak, Berlin, Deutschland

1992
Galerie Sperl, Potsdam, Deutschland

1991
Kultus- und Kunstministerium, Potsdam, Deutschland
Bedricha Smetany in Usti, Tschechei

1988
Galerie Zeller-Süssmann, Berlin, Deutschland

1987
Galerie R. Hartmann, München, Deutschland

1986
Galerie Leon F. Thalma, Pijnacker, Niederlande
SFB-Pavillon, Berlin (Ausstellung und Fernsehbericht)   

1985
Galerie Süssmann, Berlin, Deutschland

1984
Galerie ArtWork, Berlin, Deutschland

1983
Galerie Artefact, Berlin, Deutschland
Galerie Fasanenstr. 71, Berlin, Deutschland


Gruppenausstellungen (Auswahl)

2018
Akathe Te Beshen, Galerie Kai Dikhas, Paris, Madrid, Granada, Kleinsassen, Strasburg, kuratiert von Timea Junghaus und Moritz Pankok

2016
STOPPING PLACES VI, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland

2015
STOPPING PLACES V, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland

2014
STOPPING PLACES IV, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland
Kathe Ham Mer Kehri, Staatsgalerie Stuttgart, Deutschland
Akathe Te Beshen, Kunststation Kleinsassen, Deutschland

2013
Art Fair Preview Berlin, Berlin, Deutschland

2012
STOPPING PLACES II, Galerie Kai Dikhas, Berlin, Deutschland

2009
Villa Haiss Museum, Zell am Hammersbach, Deutschland

2003
Berliners Galerie Kronika, Katowice, Polen

1995
96. Art Cologne, Galerie Waszkowiak, Köln, Deutschland

1994
Art Frankfurt, Galerie Waszkowiak, Frankfurt, Deutschland
Art Zagreb, Galerie Waszkowiak, Zagreb, Kroatien

1988
Grand Prix d`Art, Monaco, Monaco