George Vasilescu

* 1984 in Ploiesti/Rumänien
lebt und arbeitet in Ploiesti

George Mihai Vasilescus künstlerische Arbeit ist die Verwirklichung eines nicht realisierten Traums: desjenigen seiner Mutter, Künstlerin zu werden. Dafür nahm und nimmt Vasilescu weite Wege und erhebliche Schwierigkeiten in Kauf. Heute signiert er viele seiner Werke mit dem Namen seiner Mutter, Canuta (Romanes für „kleine Tasse“). Bald nach seiner ersten eigenen Ausstellung im Theater seiner Heimatstadt Ploiesti in Rumänien, machte er sich 2008 auf die Suche nach den Wurzeln seines Volkes, während er selbst weitgehend getrennt von seiner Familie bei seiner Tante aufgewachsen war. Im fernen Bangladesch, wo in den Räumen der Asiatic Society of Bangladesh seine nächste Ausstellung stattfinden sollte, sah er viel Vertrautes im Umgang der Menschen miteinander, wie auch in der dortigen Kultur. Vasilescu fand also in der Kunst, wie auch in der vermeintlichen Fremde, die doch vor vielen Hunderten Jahren Ursprung seines Volkes war, seine Heimat. Seine Bewunderung für die niederländisch-katalanische Malerin Lita Cabellut, die er auch porträtiert hat, führte ihn von Bukarest zur Galerie Kai Dikhas.

Der Künstler lotet in seinen Arbeiten zwischenmenschliche Beziehungen aus. Die Werke sind ein Ruf nach Zuneigung wie auch Geborgenheit, während sie meist das Gegenteil darstellen. Symbolhaft entsteht eine zuweilen rätselhafte und dichte Parallelwelt, bewohnt von Vögeln mit Zylinderhüten und Käfigmenschen. Beide Sinnbilder wecken Assoziationen an Zirkusmagie oder mythologische Zwischenwesen, doch Vasilescu stellt solche Bezüge nicht her, sondern arbeitet mit seinem eigenen fantastischen Realismus, um Kälte und Einsamkeit zu repräsentieren. Weniger enigmatisch sind diese Themen in seinen Gemälden trostloser, menschenleerer sozialistischer Plattenbauten verarbeitet. Voller Mitgefühl und mit sicherem, groben Pinselauftrag indessen weiß er Vorbilder wie Freunde zu porträtieren. In seinen Gemälden benutzt Vasilescu neben den Farben aufgeklebte Stoffe, manchmal sind die ­­Leinwände mit Messern geschlitzt. Mit einem starken Ausdrucksbedürfnis und Gestaltungswillen ergänzt Vasilescu seine Kunstwelt mit szenografischen Konzepten. Auch hier finden wir als Requisiten die Vogelmasken und Zylinderhüte. Er entwirft einen dunklen, klaustrophobischen Bühnenraum, in dem Liebe entfesselt wird und verzweifelt unsere Regelwerke ins Wanken bringt.

Die Idee zu der aktuellen Ausstellung THE GOLDEN CAGE OF THOUGHTS (17. August bis 04. Oktober 2013) kam Vasilescu im Sommer 2011, als er auf einer Insel im Norden Norwegens half, einen alten Leuchtturm instand zu setzen. Damals entstanden auch erste Skizzen. Das Bild des Leuchtturms ist zweifelsohne in die Skulpturen eingeflossen, es scheint so, als wären seine Figuren einsame, monadische Leuchtturmwesen. Im Winter 2012 setzte er dann innerhalb von zwei Monaten seine Ideen um und „materialisierte das Inkubierte“ (Vasilescu). Die Skulpturen sind in allen Schattierungen mit Acrylfarben bemalte Draht-Gips-Modelle. Manchmal wird der zugrunde liegende Draht wie eine Nervenbahn sichtbar und erinnert daran, wie fragil die Objekte sind, wie leicht zu zerstören. Man kann an den Figuren eine ästhetisch formale Entwicklung nachvollziehen. Es scheint, als würde Vasilescu eine unfreiwillige Metamorphose festhalten, bei der zunächst der Kopf höher und höher hinauswächst, die Form eines goldenen, filigranen Käfigs annimmt, der manchmal eine Art Schrei auszustoßen scheint, bis schließlich der ganze Körper zu einem großen anthropomorphen, organischen Käfig heranwächst.

Die Figuren sind Vasilescus eigener, phantastischer Realismus, um Kälte und Einsamkeit darzustellen. Die Golden Cages of Thoughts sind kein ein starres Symbol, vielmehr versinnbildlichen sie einen Prozesses der Befreiung des Selbst und des eigenen Denkens durch die Kunst. So kann man an den Käfigskulpturen eine ästhetisch-formale Entwicklung nachvollziehen. Der Künstler hält eine (un)freiwillige Metamorphose eines menschenartigen Wesens fest, bei der zunächst der Kopf höher und höher hinauswächst und die Form eines goldenen, filigranen Käfigs annimmt, bis schließlich der ganze Körper zu einem großen anthropomorphen Käfig herangewachsen ist. Aber die Verwandlung schreitet weiter voran; schließlich erinnern die Metallstreben mehr an florale Formen, an Schlingpflanzen oder Blüten und immer weniger an kaltes Metall:  Schlussendlich sind die Gitterstäbe wie bei einer überreifen Blüte auseinandergespreizt und erschlafft und das gefesselte Wesen hat seinen Käfig - der vielleicht nur ein pervertierter Kokon war - verlassen und ist frei. Vasilescus Golden Cages of Thoughts sind kein starres Symbol, vielmehr sind seine Arbeiten selbst eine formale Erforschung der Strukturen, die mit ihrem stetigen Wachstum und kreativem künstlerischem Erfindungsreichtum inspirierende Dokumente eines Prozesses der Befreiung durch die Kunst sind.